24.10.2012

Buchtipp für fortgeschrittene Gitarristen

"Saitenwege –
Der sehr leichte Einstieg"

Eine anspruchsvolle Gitarrenschule für Fortgeschrittene zu finden ist nicht leicht. Michael Langers "Saitenwege - Der sehr leichte Einstieg (in die Welt der klassischen Gitarre)" ist dabei ein guter Tipp. Gitarristen, die bereits Erfahrung auf dem Griffbrett haben, können sich mit diesem Buch an über 70 Stücke wagen.

Ein breites Repertoire an Stilen und Techniken sowie eine gute CD sind die Trümpfe dieses Bandes. Die Vielfalt hat aber seinen Preis: erklärende Worte und ergänzende Inhalte fehlen. Wer nicht Noten lesen kann, wird einen "sehr schweren" Einstieg erleben – und das ist auch richtig so!
Erst hören, dann spielen!
Was Langer in diesem Buch - quasi aus ökonomischen Gründen - vermittelt ist eine einfache aber klare Botschaft: Von nichts kommt nichts! Denn als einzigen Leitfaden für die Schwierigkeit der Stücke sind die Lied-Titel mit einem "Kästchen-System" ergänzt. Damit sollen Schwierigkeitsstufen der einzelnen Stücke zwischen 1 (= ein ausgefülltes und vier leere Kästchen) und 5 (= fünf ausgefüllte Kästchen) dargestellt werden.

Das macht die beigelegte CD umso wertvoller. Sie bietet feinen Gitarren-Hörgenuss und vermittelt einen sehr guten Eindruck der abgebildeten Stücke. So sollte sich jeder eigenständig die Stücke aussuchen können, die ihm gefallen und ihm passen – je nach Hör-Eindruck. Wer spielen will muss hören!

Dieser Kniff ist wirklich nötig! Denn obwohl die Auswahl der Stücke in verschiedene Kategorien unterteilt ist, die jeweils im Schwierigkeitsgrad steigend sortiert sind, wird einem hier nichts "vorgekaut". Zwar sieht das erste Stück aus Kapitel 1 (Renaissance) augenscheinlich einfacher aus, als das letzte – aber technische Finessen, Tempo und Klangbild sind aus dem bloßen Notenbild kaum ersichtlich. 

Die Kästchen bringen nichts!
Sicher: Die Notenschrift ist gut leserlich, die abgebildeten Fingersätze sind logisch, es gibt kurze Info-Texte zu den einzelnen Kapiteln. Doch ein schlüssiger Aufbau in der Stückauswahl in die Richtung "erst dies – und dann das..." ist trotz "Kästchen-System" nicht erkennbar.

Ich denke, dieser Aufbau ist gewollt. Denn so springt man – je nach Kenntnisstand und Hör-Interesse – von Kapitel zu Kapitel, löst sich vom "erst A dann B dann C"-Einerlei und wird ans individuelle Gitarrenspiel herangeführt. Ich unterrichte deshalb wirklich gerne mit diesem Buch.


Fazit: Schöne Stücke – kein Kommentar 
 
"Saitenwege - Der sehr leichte Einstieg..." bietet viel fürs Geld: Eine Menge Stücke, gute CD, verständliches Notenbild und leichte Arrangements für Gitarristen. Zum richtigen Zeitpunkt angeschafft und unter Anleitung eines Gitarrenlehrers holst Du Dir viel Spielspaß nach Hause.

Zum Selbststudium ist dieses Buch nur für versierte Spieler geeignet; zu oft werden technische Fertigkeiten zwar im Notenbild dargestellt, aber nie umfassend erklärt. Besonders schade ist, dass Langer keinerlei Kommentare zu den Stücken gibt. Gespart wurde auch an Tabulatur- und Akkord-Diagrammen; warum dagegen ganz hinten plötzlich, ohne jedes erklärende Wort, sinnlos und platzfüllend der Schattenriss eines (anonymen) E-Gitarristen abgebildet ist, wird vermutlich auf ewig ein Geheimnis bleiben.

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