22.01.2013

Kinder Gitarrenbuch

Mit kleinen Schritten zum Ziel 
Der Wunsch, Gitarre zu spielen, kann manchmal sehr früh sein. Heinz Teucherts „Meine Gitarrenfibel“ richtet sich bereits an Vorschüler; selbst wer noch nicht lesen kann, kommt hier auf seine Kosten.



Das ist vor allem den vielen wunderbaren Zeichnungen und einfallsreichen Texten (die leicht zu merken sind und natürlich vorgelesen werden müssten) zu verdanken. Eigentlich wäre die Gitarrenfibel wegen dieser verspielten Herangehensweise eine prima Schule – eigentlich. 

Geringes Tempo – viel Gesang 
Wenn alles nach Plan läuft ist gerade die „Gitarrenfibel“ ein super Buch: sehr langsames Lerntempo, viel Zeit für jede Neuerung – und so gut wie jedes Stück ist auch mit einer kleinen Geschichte zum Leben erweckt. Das macht Spaß beim Spielen und beim Singen gleichermaßen.

Alle wichtigen Schritte, wie z.B. Gitarrenhaltung oder Handhaltungen, sind mit aufschlussreichen Fotografien erklärt (ähnlich meinem Artikel „Griffe richtig greifen“). Die Noten und auch die Buchstaben sind sehr groß gedruckt und können so bei einzelnen Liedern sogar mit dem Finger verfolgt werden. Eine prima Lese-Lern-Hilfe! 

Leider kein Ensemblespiel
Lernziele des 1. Bandes (es gibt natürlich Folgebände) sind neben den grundlegenden Notenwerten (wie Viertel-, Halbe- und Ganze-Note) die Töne der C-Dur-Tonleiter auf den drei Melodie-Saiten (e, h und g) sowie die D-Saite. Also werden auf den rund 40 Seiten knapp zehn Töne auf 4 (von 6) Saiten erklärt.
Und genau darin mag denn auch die Krux an diesem eigentlich recht schönen Büchlein liegen: Es will (ein bisschen) zu wenig. Denn anstatt in diesem Band bereits Inhalte wie Achtel-Noten, Pausen und Basstöne aufzugreifen, beschränkt sich Teuchert darauf, das jeweils gelernte ausführlich in ein oder zwei Stücken zu wiederholen. Leider wird nicht einmal das Thema „Ensemblespiel“ aufgegriffen, was die „Gitarrenfibel“ für den Gruppenunterricht gänzlich unbrauchbar macht. 

Wer braucht Lehrerstimmen? 
Stattdessen liefert das Buch sogenannte „Lehrerstimmen“; die sind für Schüler auf dem jeweiligen Lied-Niveau nicht spielbar, nehmen aber trotzdem pro Lied fast eine halbe Seite in Anspruch. Gröbstes Beispiel ist die Doppelseite 28/29 (12. Auflage):

Hier werden 8 Takte Volksmusik („das Singen macht viel Spaß!“, mel. Rundgesang um 1600, Text: H. Teuchert) mit viel Phantasie zu einer Doppelseite aufgebläht. Ein halbseitiges Comic, zwei (!) notierte Lehrerstimmen und fünf (!) gedruckte Strophen (mit dem Hinweis, man könne sich noch selbst welche ausdenken ...!?) - hier ging es den Blattmachern offensichtlich weniger darum, musikalische Inhalte zu vermitteln, als vielmehr darum, eine bestimmte Anzahl an Druckbögen zu erreichen.
Einblick in die "Gitarrenfibel"
Großzügige Blattgestaltung:
Mit halbseitigen Comics, diversen Strophen
und zwei (!) Lehrerstimmen wird
in der Gitarrenfibel eine Doppelseite gefüllt.

Fazit: 
Für den niedrigen Preis erhalten Gitarrenschüler ein Büchlein, das ihnen in etwa die Hälfte des Gitarrenwissens vom ersten bis zum vierten Bund erklärt (alle Töne von C-Dur findest Du hier kostenlos). 

Dabei ist das langsame Lerntempo zugleich Trumpf als auch Manko. Scheinbar ideal als Einsteigerwerk für kleine Kinder, offenbart die „Gitarrenfibel 1“ Schwächen sobald die Ansprüche steigen.

Trotzdem: Das Buch ist ein klasse Anfänger-Werk für Kinder im Vorschul-Alter. Wer gerade seinen eigenen Namen schreiben kann, findet hier den idealen Einstieg ins Gitarrenspiel. Denn die Geschichten, Comics und sogar die kleine Leistungsurkunde am Ende des ersten Bandes machen wirklich Spaß.

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